Bologna, Bologna!

Samstag 2nd Februar 2008 - 6:25:31 PM

Während in den USA Bestrebungen bestehen, ein solches Hochschulsystem einzuführen wie es in Deutschland vorzufinden ist, beschäftigt sich ganz Hochschul-Deutschland mit der Bologna-Reform. Dort, wo die Reform noch nicht umgesetzt ist, kommt sie in den nächsten Jahren. So auch an der Universität Trier.

Deswegen machten sich am 25. Januar sämtliche Wissenschaftler verschiedener Einrichtungen nach Trier auf. Dort sollten sie als Gutachter die vorgeschlagenen Bachelor- und Master-Studienordnungen des Paketes “Geschichte” unter die Lupe nehmen. Zum Paket Geschichte gehören in Trier die Studiengänge Kunstgeschichte, Katholische Theologie, öffentliches Recht, Politik, Geschichte und der neue Bologna-Studiengang Mediävistik. Die vorgeschlagenen Studienordnungen basieren auf den bisherigen Magisterstudiengängen.

In einer einstündigen Besprechung mit Studierenden der genannten Fächer, bei der ich für das Fach Katholische Theologie geladen war, merkte ich den Gutachtern an, dass sie selbst nicht wirklich hinter Bologna stehen. Doch schon im Vorfeld dieser “Begehung” hieß es, dass Grundsatzdebatten vermieden werden sollten, schließlich sei Bologna beschlossene Sache. Trotzdem führten sowohl die Gutachter wie auch die Studierenden diese erneut. Konsens unter den teilnehmenden Studierenden der Veranstaltung war: “Wir sind froh, unser Studium auf Magister beenden zu können und vor Bologna verschont zu bleiben.”

Allgemeiner Kritikpunkt war vor allen Dingen die enorme Arbeitsbelastung: Jedes Semster müssen nach der Bachelor- und Master-Studienordnung eine gewisse Anzahl von Kreditpunkten erreicht werden, um nicht exmatrikuliert zu werden. Als ich zu studieren anfing, gab es eine Einführungsveranstaltung für “Erstis”, in der uns Studierende sagten: “Schaut auch ein bisschen links und rechts und nicht nur auf eure Pflichtveranstaltungen. Schaut, was euch die Uni sonst an Freizeitaktivitäten bietet.” Ich konnte diesen Spruch für mein Studium umsetzten, ohne ins Schleudern zu geraten oder exmatrikuliert zu werden. Mit Bologna ist dies kaum möglich.

Kürzlich habe ich an der Universität Trier an einer Veranstaltung des Arbeitsamtes teilgenommen, in der es um Einstiegschancen in die Medienberufe ging. Voraussetzung für ein Volontariat war immer: mindestens ein Praktikum in der Presse- oder Öffentlichkeitsarbeit plus freie Mitarbeit während des Studiums. Wie soll man dies mit Bologna schaffen? Denn Ferien hat ein Bachelor- oder Masterstudent kaum. Die Semesterferien bestehen aus sechs Wochen. Eine Seminararbeit muss spätestens sechs Wochen nach Beendigung der Vorlesungszeit (also mit Beginn des neuen Semesters) geschrieben sein. Daher sind maximal zwei Seminararbeiten in den Ferien drin, wodurch die Zeit zu arbeiten oder aber für Praktika weg fällt. Auch die Vertreter aus der Berufspraxis der Medienwelt wussten keinen Rat. Hinzu kommt das finanzielle Problem, weil viele Studenten von dem Geld im Semester leben, was sie in den Semesterferien verdient haben.

Das Studieren wird nicht nur durch die fast flächendeckend eingeführten Studiengebühren in Deutschland wieder eine Frage des Geldbeutesl, sondern auch durch die verschärften Studienordnungen der Bologna Reform, die Studenten jede Möglichkeit der Eigenfinanzierung nehmen.

Bologna, Bologna!

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