Wie gut ist die Wikipedia wirklich?
„If you put together a big enough and diverse enough group of people and ask them to ‚make decisions affecting matters of general interest’, that group’s decisions will, over time, be ‚intellectually [superior] to the isolated individual’, no matter how smart or well-informed he is.“ (Surowiecki, James 2004, 17).
Dieses Zitat ist meiner Meinung nach ein geeignetes, um den Begriff “Kollektive Intelligenz” oder “Schwarmintelligenz” zu erklären. Und es stammt von dem Autor des Werkes “The wisdom of crowds”, James Surowiecki, selbst. Denn mittlerweile scheint es üblich zu sein, den Begriff an sich nur noch wie ein Schlagwort in Zusammenhang mit Web 2.0, Wikis und Wikipedia zu verwenden, aber seine Definition zu vergessen: Jeder spricht drüber, aber niemand weiß mehr so recht, was damit gemeint ist. Diesen Eindruck bekam ich, als ich mich auf die Suche nach eben einer Begriffsdefinition von “Kollektiver Intelligenz” resp. “Schwarmintelligenz” begab. Zahlreiche Werke, Aufsätze und Präsentationen habe ich durchsucht und nirgendwo eine Erklärung gefunden. Dann habe ich mir das Buch von Surowiecki genommen, um mir seine Definition anzueignen.
Ich fand es wirklich sehr bemerkenswert, dass es neben der Definition von Surowiecki und der Wikipedia keine Erklärung des Begriffs gab. Und die Wikipedia wollte ich nicht zitieren, da ich vor allzu kurzer Zeit mal wieder einen Rüffel kassierte: “Wikipedia ist keine für wissenschaftliche Arbeiten akzeptable Quelle. Bei der Recherche mag das als Ausgangspunkt sehr hilfreich sein oder bei der Diskussion von Definitionen eine Rolle spielen, aber bei vorhandenen wissenschaftlichen Publiaktionen kann Wikipedia nicht die erste Wahl sein.” Dies ist ein Zitat von Social-Media-Experte Steffen Büffel.
Doch heute bin ich über denWeblog des Seminars “Netzwerkkommunikation”, das ich zur Zeit an der Universität Trier besuche, auf einen Artikel gestoßen, der Wikipedia positiv bewertet.
2 Kommentare »
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Es gibt zahlreiche Studien, die Vergleiche zwischen Wikipedia und anderen Enzyklopädien herstellen, die ebenfalls zu dem Ergebnis kommen, dass Wikipedia die bessere Anlaufstelle ist. Das macht die Wikipedia aber per se nicht “wissenschaftlich”. Denn wenn man unterstellt, dass Wissenschaft und wissenschaftliches Arbeiten - vereinfacht gesagt - das Lösen von Problemen ist, dann scheitert Wikipedia schon an diesem simplen Kriterium, was übrigens auch im Selbstverständnis der Wikipedia(ner) dort so nachzulesen ist. Es geht nicht um Theoriefindung, sondern um die Abbildung bereits allgemein anerkannten Wissens. Hier die Passage aus Wikipedia:
“In ihrer Mehrheit lehnen die Wikipediaakteure allzu vertiefte theoretische Reflexionen ab. Dies kann zu Inadäquatheiten führen. Insbesondere ist es denkbar, dass durch Mangel an theoretischer Reflexion nicht alle Möglichkeiten der Wikipedia ausgeschöpft werden”
Brockhaus ist übrigens aus dem genau gleichen Grund für mich keine akzeptable Quelle für wissenschaftliche Arbeiten. Ebenso ist der Duden nicht geeignet, um beispielsweise als alleinige Referenz zur Diskussion von Begriffsdefinitionen zu gelten. In alln Fällen handelt es sich um Nachschlagewerke, die aber nicht das Ziel und nicht den Status dessen haben, was für das tagtägliche Arbeiten in der Wissenschaft geeignet und gefordert ist. Insofern werden hier meiner Auffassung nach Wissen, Wissenskonstruktion und Wissenschaft durcheinander gebracht.
Zum Thema “kollektive Intelligenz” kann ich nur sagen, dass es hiezu eine Vielzahl von Aufsätzen und wissenschaftlicher Literatur gibt. Hier ist es entscheidend in welcher Datenbank man sucht.
Viele Grüße
Steffen
Kommentar left on 7. Dezember 2007 @ 03:15
Hallo Steffen!
Du musst aber immerhin zugeben, dass Wissen, Wissenskonstruktion und Wissenschaft untrennbare Begriffe sind, denn immerhin gehören sie zu einer Wortfamilie.
Und vielleicht wirst du auch zugeben müssen, dass man als Student kaum zu Theoriebildung und tiefgreifender Wissenschaft ausholen kann, sondern immer auf Vorhandenes verwiesen wird. Erst kürzlich, als es um meine Magisterarbeit ging, hat ein Professor mir folgendes gesagt:
“Eine Hausarbeit ist das Zusammenfassen von drei Büchern, die Magisterarbeit von zehn Büchern.”
Traurig, aber wahr.
Zum Thema “Kollektive Intelligenz” kann ich nur sagen, dass ich den Begriff auch in so gut wie jedem Werk gelesen habe. Aber es fand sich nirgends ein Satz, der dieses Phänomen erklärt. In dem Buch von Erik Möller (2005) beispielsweise steht die Definition nicht im Glossar.
Kommentar left on 10. Dezember 2007 @ 11:29