Die Fußnote der wissenschaftlichen Publikation scheint unerwünscht
Gerade schreibe ich an einer Hausarbeit über “Varianzen der Textqualität in Weblogs und Internetforen“. Aber nicht alleine, sondern mit einem Kommilitonen. Die inhaltliche Aufteilung war kein Problem. Ein Problem hingegen war und ist die formale Gestaltung.
Nicht nur jeder Prof will besondere Formalia, sondern auch die Studenten scheinen eine Hausarbeit als unendliche Spielwiese formaler Tools anzusehen. Die erste Kontroverse gab es bei Erklärungen, die ich in Fußnoten abgegeben habe. Denn ich neige dazu, ein Wort wie Anglizismus nicht im Fließtext zu erklären, sondern in einer Fußnote. Da ich das Wort als recht bekannt voraussetze, stört es den Fließtext nicht. Wer das Wort jedoch nicht kennt, kann es in der Fußnote nachschauen. Jetzt die Ansicht meines Kommilitonen: “Du schreibst den Text für deinen Prof, der weiß mit Sicherheit, was ein Anglizismus ist.” Tatsächlich? Ein wenig enttäuscht war ich doch über diese Aussage, denn im Prinzip schreibe ich dann nicht für eine größtmögliche Allgemeinheit mit einem höheren Bildungsniveau, sondern für meinen Prof, der sowieso schon alles weiß und die Hausarbeit irgendwann nach der Scheinausgabe im Müllcontainer verschwinden lässt.
Der zweite Punkt: Internetquellen. Wie zitiere ich Internetquellen richtig, beziehungsweise muss ich Internetquellen überhaupt zitieren? Ich habe die Internetquelle im Fließtext zitiert und meist die URL in runden Klammern dahintergesetzt. Bei Seiten wie “Google” habe ich die URL jedoch in eine Fußnote gepackt. Wieder habe ich eins auf den Deckel bekommen. “Meinst du nicht, dass jeder Google kennt”, hat mich mein Kommilitone gefragt. Und kurz darauf wollte er mich davon überzeugen, in einem solchen Fall direkt auf die URL zu verzichten. Aber ist das dann noch wissenschaftliches Arbeiten?
Der dritte Punkt: Nach der Zitierweise der “Harvard-Konvention” sollen Fußnoten, wenn möglich, vermieden werden. Was bedeutet dieses “wenn möglich”? Auch an dieser Stelle konnten wir uns nicht einigen. Mein Kommilitone meinte, er hätte kaum eine Hausarbeit mit Fußnoten geschrieben. Doch wenn ich ein Buch aufschlage, dort wimmelt es meist heute noch davon. Was ist denn nun erlaubt?
7 Kommentare »
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nunja, es gibt viele wiss. zitierweisen. und in jedem fach gibt es vorherrschende konventionen.
erstmal harvard vs. fußnote: erlaubt ist beides, ich ziehe fußnote vor. harvard bedeutet, dass quellenangaben im fließtext gemacht werden, in klammern (Autor xyz : S. 12), statt dessen ist es bei uns eher konvention, diese angaben in eine fußnote zu packen.
begriffe wie “anglizismus” würde ich nicht erklären, weder im fließtext noch in einer fußnote. ich tendiere dazu, den leser aus höflichkeit eher zu über- als unterfordern; er kann begriffe ja selbst im wörterbuch nachschlagen.
Kommentar left on 5. Dezember 2007 @ 02:31
Und genau das ist das Problem: Jeder Professor und jeder Student hat eine andere wissenschaftliche Arbeitsweise. Aber zumindest die Formalia könnten doch gleich geregelt sein, oder?
Kommentar left on 6. Dezember 2007 @ 22:05
ich kann dir dazu auch nichts sagen .Bin erst neu auf dieses Blog aufmerksam geworden
Kommentar left on 18. Mai 2008 @ 21:27
Die Hausarbeit ist abgegeben und nun schreibe ich an meiner Magisterarbeit. Hier ist Harvard gefragt. Trotzdem werde ich weiterhin Begriffserklärungen und Anmerkungen in Fußnoten geben. Ich halte diese Kombination für sinnvoll.
Kommentar left on 26. Mai 2008 @ 18:55
Meine Meinung: Wer Wörter aussucht, die ihm selbst so unbekannt sind, dass er sie für allgemein erklärungsbedürftig hält und dann auch noch per Fußnote erklärt, sollte auf solche Wörter schlicht und einfach verzichten.
Kommentar left on 1. August 2008 @ 11:14
So war das nicht unbedingt gemeint. Wenn man eine wissenschaftliche Arbeit schreibt, arbeitet man sich ja auch immer in ein bestimmtes Themenfeld ein, in dem es Fachbegriffe gibt. Man selbst liest sich dann soweit ein, dass man alles versteht. Trotzdem sollte die wissenschaftliche Arbeit eine recht große Zielgruppe haben, für die die Erläuterung der Fachbegriffe hilfreich sein kann.
Kommentar left on 1. August 2008 @ 20:56
Die Geisteswissenschaften übertreiben gerne mit ihrer Zitierweise. Da gibt es dann massenhaft verschiedene Varianten, je nach Fachrichtung und jeder Prof will etwas anderes sehen.
Im Prinzip sollte es aber einfach nur darum gehen, zu kennzeichnen, welche Informationen wo herkommen. Dafür müssen die Informationen natürlich vollständig sein, aber es ist im Prinzip egal, welche Zitierweise man benutzt, ob man am Ende einer Fußnote einen Punkt setzt oder ob man den Verlag oder den Erscheinungsort angibt. Darum (und natürlich um eine einheitliche Zitierweise in der eigenen Arbeit) geht es - alles andere ist einfach nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.
Kommentar left on 9. August 2008 @ 15:18