Die diesjährige Präsidentschaftswahl in Frankreich hat gezeigt, wozu Blogs in der politischen Kommunikation dienen könne. Die Initiative ProDialog kommt in ihrer Studie “Moderner Wahlkampf und politisches Marketing - am Beispiel der Präsidentschaftswahlen 2007 in Frankreich” zu dem Ergebnis, dass Blogs eine große Rolle im französischen Wahlkampf spielten. Im April 2007 “existierten zum Thema Wahlkampf der Präsidentschaftskandidaten” 40.000 Blogs, so die Studie weiter.
Es werden vier Ziele ausgemacht, die das Bloggen erfüllen sollte:
- authentische Kampagnenkommunikation: Darstellung der unterschiedlichen Kampagnenauftritte
- responseorientierter Dialogaufbau: Partizipative Elemente stehen im Vordergrund. Sarkozy und seine Partei UMP nutzten auf cybermilitants.com die gesamten partizipativen Möglichkeiten des Netzes aus. Royal versuchte es mit ihrer Idee der “partizipativen Demokratie”. Bürger konnten online und offline Beiträge an sie herantragen, die sie zu einer Synthese zusammengefasst hat.
- Empfehlungsmarketing über Blog-Netzwerke: Sarkozy setzte auf Le Meur, einen prominenten Blog-Unternehmer, während Royal auf ihre Vernetzung in der französischen Blogosphäre baute: Segoland (pdf, 725kb).
- Kontrastierung und negative campaigning: Witzige Einträge, aber auch eine Radikalisierung der Kommunikation fand in den Blogs statt.
Der Wahlkampf gefiel den Franzosen. Dieser Präsidentschaftswahlkampf war für die Franzosen keine Belastung, sondern ein Vergnügen. Sie besuchten Versammlungen, lasen Zeitungen (…), sahen viel fern und nahmen persönlich in ihren Gesprächen lebhaft an diesem Wahlkampf teil. Es war einer von jenen Wahlkämpfen, bei denen eine Nation mit sich zufrieden war, eine Repolitisierung stattfand und schließlich die Hoffnung auf einen Neuanfang geboren wurde. 84 Prozent Wahlbeteilung sind der Ausweis dieser Stimmung.
Was kann man sich als Gesellschaft mehr wünschen?
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2 responses bisher ↓
1 Sebastian Gievert // Jul 19, 2007 at 13:26
Hallo Thorsten - wäre doch tatsächlich prima, wenn der nächste Bundestagswahlkampf in Deutschland (komme er, wann er wolle) auch Spaß macht und von den meisten nicht als nervig empfunden wird.
Man muss allerdings auch bedenken, dass der Wahlkampf in Frankreich im Fernsehen und in den Zeitungen viel stärker reguliert ist als hierzulande und deshlab viel im Internet stattfand. Wusste ich vor der Studie auch nicht.
2 Thorsten Koch // Jul 19, 2007 at 13:28
Allerdings! Die Regulierung war mir in dem Ausmaß auch nicht bekannt.
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